Die Auswirkungen von größenselektiver Fischerei auf die Verhaltenstypen Aggressivität, Soziabilität, Risikoverhalten und Aktivität beim Zebrafisch (Danio rerio)

Bachelor

Die fischereibedingte Sterblichkeit ist in den meisten wirtschaftlich genutzten Fischbeständen wesentlich größer als die natürliche Sterblichkeit. Zusätzlich richten sich die meisten Fanggeräte in der Regel gegen die größten Individuen einer Population. Größenselektivität verändert die evolutionäre Entwicklung von lebensgeschichtlichen Merkmalen in geernteten Populationen, und ebenso ihr Verhalten (d.h. ihre Persönlichkeit) gemäß der Pace-of-life Hypothese (POLS). Diese sagt einen genetischen Zusammenhang von Lebensgeschichte, physiologischen- und Verhaltensmerkmalen vorher. Empirische Studien, die solche Mechanismen zeigen, sind jedoch selten. Daher untersuchten wir experimentell, ob größenselektives Ernten Persönlichkeitseigenschaften (Aggressivität, Soziabilität, Aktivität und Risikobereitschaft) in Zebrabärblingpopulationen (Danio rerio) beeinflusst, die entweder einer positiven (LS) oder negativen (SS) größenselektiven Mortalität ausgesetzt sind. Zum Vergleich wurde eine Population verwendet, die in Bezug auf ihre Körpergröße zufällig geerntet wurde (RS). Unsere Ergebnisse zeigen, dass Weibchen der LS-Linie als Adulti eine kleinere Körpergröße erreichten und sozialer und weniger aggressiv als die Kontrollgruppe waren. Individuen, die an eine negative selektive Ernte (SS) angepasst waren, erreichten eine größere Körpergröße als Adulti und waren signifikant weniger aktiv und risikobereit als die Referenzgruppe. Die Ergebnisse für die SS-Linie stimmen größtenteils mit der Pace-of-life Hypothese überein, da eine langsame Lebensgeschichte positiv mit Schüchternheit korrelieren sollte. Bei der SS-Linie gibt es aber keine klaren Unterschiede in den anderen Verhaltensweisen. Im Gegensatz dazu, zeigte die LS-Linie, die eine „schwache“ schnelle Lebensgeschichte entwickelte, keine Unterschiede in Bezug auf die Kontrollgruppe. Die vorliegende Studie ist die erste, die experimentelle Belege dafür liefert, dass die größenselektive Mortalität evolutionäre Effekte auf die mit lebensgeschichtlichen Merkmalen korrelierenden Persönlichkeiten von Fischen hat.

Fromm, K. (2017). Die Auswirkungen von größenselektiver Fischerei auf die Verhaltenstypen Aggressivität, Soziabilität, Risikoverhalten und Aktivität beim Zebrafisch (Danio rerio). Bachelor Thesis, Freie Universität Berlin / Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB) in Berlin


Veröffentlicht: 2017
Erschienen in: Bachelor Thesis, Freie Universität Berlin / Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB) in Berlin