Erste Zwischenergebnisse

zur Hechtökologie und Nutzung an den Bodden

Ein wichtiger Hinweis vorweg:
Die nachfolgend schlaglichtartig zusammengefassten Zwischenergebnisse entsprechen dem Forschungsstand im BODDENHECHT Projekt etwa ein Jahr nach Projektbeginn. Es handelt sich um vorläufige Ergebnisse, die mit Unsicherheiten behaftet sind. Es kann sein, dass nach Vorliegen weiterer Daten und Analysen einige Aussagen modifiziert werden müssen. Die hier präsentierten Inhalte dienen der Zwischeninformation, sie sind nicht als zitierfähige wissenschaftliche Quellen anzusehen.


Fischereientwicklung an den Bodden

  • Die Zahl der Küstenfischer Mecklenburg-Vorpommerns (M-V), die im Haupt- oder Nebenerwerb Hering, Dorsch, Meerforelle, Zander, Barsch, Hecht und Ko. nachstellen, nimmt seit der Wende kontinuierlich ab. Im Jahr 2019 fischten 161 Boddenfischer im Haupterwerb und 77 Boddenfischer im Nebenerwerb mindestens einmal in den Bodden rund um Rügen, in der Darß-Zingster-Boddenkette und im Peenestrom und Achterwasser (Abb. 1). Die Zahl der Haupterwerbsfischer, die auch in den Bodden fischen, ist in der Tendenz leicht rückläufig. Der Rückgang ist aber weniger ausgeprägt als bei den sonstigen Küstenfischern Mecklenburg-Vorpommerns.

 

 

  • Die Bedeutung der einzelnen Zielarten für den Wirtschaftserfolg der Fischer schwankt von Fischereibetrieb zu Fischereibetrieb. Durchschnittlich trägt der Hecht weniger als 5 % zu den Gesamterlösen der Berufsfischerei in M-V bei (Abb. 2). Für einzelne Boddenfischer ist der Hecht aber Hauptwirtschaftsfisch. Ebenfalls ist der Hecht wirtschaftlich gesehen von großer Bedeutung für den kommerziellen Angelsektor (Guiding).

 

 

  • Die Zahl der Angler ist seit der Wiedervereinigung an den Bodden stark angestiegen (Abb. 3) und beträgt heute mehr als 50.000 Personen, die jedes Jahr mindestens einmal während der Freizeit an den Bodden den Fischen nachstellen. Die Steigerung in der Angelbeteiligung begründet sich vor allem in der gestiegenen Attraktivität als Angelrevier für Angeltouristen aus anderen Bundesländern als Mecklenburg-Vorpommern, da die Zahl der heimischen Angler aus M-V über die letzten Jahre relativ stabil geblieben ist. In den letzten Jahren ist ein leichter Rückgang des Küstenangelns insgesamt zu verzeichnen.

 

 

  • Die Zahl der Angeltouristen, die aus anderen Bundesländern als M-V, zum Angeln an die Bodden fahren ist heute höher als die Zahl der einheimischen Angler. Beide Gruppen sind zusammen für einen Angelaufwand von etwa 400.000 Angeltagen im Jahr an den Bodden verantwortlich (etwa die Hälfte über Touristen und die andere Hälft über einheimische Angler).
  • Die Angelaktivität an den Boddengewässern um Rügen (von der Darß-Zingster-Boddenkette bis zum Peenestrom und Achterwasser) generiert 400 Vollzeitarbeitsplätze. Darunter sind 300 Vollzeitarbeitsplätze, die von den Ausgaben der Angeltouristen in M-V abhängen. Wichtigster Sektor, der von den Ausgaben der Angeltouristen an den Bodden profitiert, ist der Beherbergungssektor (Abb. 4). Diese Projektergebnisse wurden in Zusammenarbeit mit dem Thünen-Institut für Ostseefischerei (Arbeitsgruppe um Dr. Harry Strehlow) sowie dem Leibniz-Institut für ökologische Raumentwicklung in Dresden (Prof. Dr. Artem Korzhenevych) erarbeitet.

 

 

  • Das Angelguiding an den Bodden wird von rund 50 Unternehmen oder Einzelpersonen angeboten und hat sich zu einem nicht unbedeutenden kommerziellen Standbein des Fischereisektors entwickelt.
  • Rund die Hälfte des Angelaufwands in Angeltagen an den Bodden ist auf den Hecht gerichtet.  
  • Die meisten Angler, die den Hecht beangeln, erwarten ausreichende Fangraten und den Fang besonders großer, am liebsten kapitaler Meterhechte.
  • Angeltagebuchdaten aus 2006/2007 und 2014/2015 zeigen, dass der Anteil der zurückgesetzten Hechte ansteigend ist und heute etwa zwei Drittel aller Fänge umfasst.
  • Pro Boddenangler und Jahr werden rund 2 Hechte mit nach Hause genommen und verspeist.
  • Aufgrund der hohen Zahl von Anglern summiert sich diese für jeden Angler bescheidene Hechtentnahme auf erstaunliche Gesamtentnahmemengen. Seit Mitte der 2000er Jahre wird eine höhere Biomasse an Hechten durch Angler aus den Bodden entnommen als durch Berufsfischer (Abb. 5). Aus methodischen Gründen sind die Gesamtanlandungsdaten in Abb. 5 aber mit gewissen Unsicherheiten verbunden.
  • Die kombinierte Gesamtanlandungsmenge (Berufs- und Angelfischerei zusammen) im Zeitverlauf von 1970 bis heute zeigt, dass die Bodden im Schnitt etwa einen Jahresertrag von 250 Tonnen Hecht hervorbringen. Die Erträge schwanken aber deutlich von Jahr zu Jahr (Abb. 5), was auf Umwelteinflüsse, auf die Hechtreproduktion oder veränderte fischereiliche Intensitäten zurückgeführt werden kann. Aktuell sind die Erträge beim Hecht abnehmend. Achtung Erträge sind nicht direkt proportional zu den Bestandsgrößen, sondern hängen auch von Fängigkeit und Fangaufwand ab.

Hechtpopulationszustand an den Bodden

  • Nichtrepräsentative Befragungsergebnisse zeigen, dass Angler, vor allem auch Guides, überwiegend der Meinung sind, dass die Boddenhechtbestände und –fänge deutlich abnehmend sind (Abb. 6). Persönliche Interviews mit Fischern zeigen, dass ein vergleichbarer Einbruch in den Fängen durch die Fischer nicht in einer vergleichbaren Form wahrgenommen wird. Daraus kann vorsichtig geschlussfolgert werden, dass die reduzierten Fänge der Angler möglicherweise auch durch sich ändernde Fängigkeiten (z. B. Hakvermeidungsverhalten von Hechten, die wiederholt an den gleichen Stellen mit Kunstködern beangelt werden) miterklärt werden könnten. Eine alternative Erklärung könnte sein, dass die Fischer effektiver waren, die reduzierten Bestandsgrößen zu kompensieren.

 

 

  • Da die Boddenhechtbestände nicht über Fischerei-unabhängige Daten (Testfischerei) beobachtet werden und es folglich keine belastbaren Zeitreihen mit unabhängig erhobenen Daten gibt, ist es nicht möglich, exakt die Entwicklung der Hechtbestände an den Bodden zu rekonstruieren.
  • Nichtsdestotrotz wurde versucht, aus den Anlandungen pro Fischerboot einen Häufigkeitsindex (Einheitsentnahme) nach Bodden getrennt zu errechnen und anhand dieses Indikators Aussagen über die Hechtbestandsentwicklung abzuleiten. Entsprechende Daten liegen für die letzten 20 Jahre vor.  Die Analyse deutet an, dass die Hechtbestände vor allem im Greifswalder Bodden rückläufig sind. Für die anderen Bodden gibt es keine vergleichbaren Entwicklungen, wohl aber relevante Schwankungen zwischen einzelnen Jahren und in absoluter Höhe auch zwischen einzelnen Bodden (Abb. 7). Das heißt – aus dem zur Verfügung stehenden Hechtbestands-Index lässt sich nicht ableiten, dass die Boddenhechtbestände über alle Bodden rückläufig sind. Allerdings lässt sich klar belegen, dass es hechtreichere und weniger hechtreiche Bodden gibt und dass es vor allem im Greifswalder Bodden offenbar Probleme mit dem Hechtbestand gibt.

 

 

  • Weiterführende bestandskundliche Analysen zeigen allerdings, dass der Boddenhechtbestand als voll befischt bis leicht überfischt einzustufen und in den letzten Jahren rückläufig ist. Als Grundlage dieser Einschätzung wird der Überfischungsreferenzpunkt des maximal nachhaltigen Dauerertrags (MSY) verwendet (Abb. 8). Der MSY die maximal mögliche Biomasseentnahme an Hechten, die dauerhaft vom Bestand in Selbstreproduktion realisiert werden kann. Wird schärfer als der Fischereidruck, der den MSY hervorbringt, gefischt, setzt die Überfischung ein, d.h. die Hechte werden zu jung gefangen und haben ihr maximales Wachtumspotenzial noch nicht erreicht. Dieser Punkt ist ein beliebter Überfischungsindikator in den Fischereiwissenschaften. Die Ertragsfähigkeit des Boddenhechtbestandes ist nach vorliegenden Informationen entweder voll erschöpft (d.h. der Fischereidruck entspricht dem, der den MSY erreicht) oder sogar bereits leicht überfischt (d.h. der Fischereidruck ist höher als der, der den MSY erreicht = Überfischung hat eingesetzt, Abb. 8).  Die bestandskundlichen Analysen zeigen überdies, dass die Bestandsgrößen in den letzten fünf Jahren abnehmend sind.
  • Da die aktuelle Fischereisterblichkeit auf die Boddenhechte hoch ist, sind aktuell die Fanggrößen der Hechte geringer als in der Vergangenheit der Fall. Das heißt, die kombinierte Fischereisterblichkeit durch Angler und Fischer ist aktuell so hoch, dass die Fische nicht mehr ihre Maximallänge erreichen, da sie nicht alt genug werden können. Die reduzierten Durchschnittsgrößen sind vor allem für Angler problematisch, die auf kapitale Hechte aus sind. Kapitale Hechte sind hingegen für Berufsfischer von nachrangiger Bedeutung. Möglicherweise erklärt dieses Ergebnis die unterschiedliche Wahrnehmung zum Überfischungszustand durch Angler und Fischer. Weitergehende Befragungen müssen diese Spekulation noch absichern.

 


Umwelteinflüsse auf die Boddenhechtbestände

  • Aus der Fachliteratur ist bekannt, dass die Populationsgröße des Hechts in erster Linie von Unterwasserpflanzen abhängig ist (Abb. 9): Je mehr Kraut es gibt, desto mehr Hecht kommt im Gewässer vor. Geht das Kraut zurück, geht auch der Hechtbestand zurück. Hechte laichen an Unterwasserpflanzen und die Junghechte brauchen diese als Versteckmöglichkeiten. Auch erwachsene Hechte stellen sich zeitlebens gerne ins Kraut oder assoziieren sich damit. Aus diesem Grund ist der Hecht als Lauerräuber in klaren, krautreichen Gewässern häufig, während der Zander eher im unbewachsenen Lebensräumen in Bodennähe auf Raubzug geht und auch mit sehr stark eingetrübten und wasserpflanzenarmen Situationen sehr gut umgehen kann: Je trüber und ärmer an Wasserpflanzen ein Gewässer, desto weniger Hechte und desto mehr Zander kommen vor. Entsprechend sind die sehr stark eingetrübten Bodden wie der Saaler Bodden meist reicher an Zander und ärmer an Hechten.

 

 

  • Außerdem müssen die Salzgehalte für eine erfolgreiche Reproduktion der Süßwasserfischart Hecht dauerhaft unter 10 PSU bzw. 10 Promille liegen.  Diese Bedingungen bietendie meisten Boddengebiete ganzjährig (Abb. 10). Gerade in den salzreicheren westrügenschen Bodden (Abb. 11) ist aber nicht auszuschließen, dass Salzwassereinstromereignisse zur Laichzeit in bestimmten Jahren negativ auf das Hechtaufkommen wirken und auch die Hechtverteilung mitbeeinflussen. Letzteres wird aktuell über Hechttelemetrie im Gebiet mituntersucht.

 

 

  • Die einzelnen Bodden weisen unterschiedliche Nährstoffgehalte und Trübungen auf (Abb. 12).  Mit der Trübung geht die Verfügbarkeit von Unterwasserpflanzen zurück. Je trüber ein Bodden, desto weniger Wasserpflanzen und desto weniger Hecht und mehr Zander bietet das Gewässer (Abb. 7). Typische zanderdominierte Bodden sind Saaler und Barther Bodden, Peenestrom oder Kleiner Jasmunder Bodden, während die klareren, wasserpflanzenreicheren westrügener Bodden oder der Greifswalder Bodden traditionell und in den meisten Fällen auch aktuell hechtreicher sind.  

 

 

  • In verschiedenen Gebieten der Ostsee ist ein mit dem Lachs vergleichbares anadromes Wanderverhalten bei Hechten beschrieben: Die Hechte laichen in Süßwasserzuflüssen und wandern dann in das Brackwasser, wo die Fische heranwachsen. Auch für die Region um Rügen ist bekannt, dass die Hechte teilweise in Zuflüsse, Gräben und Bäche einwandern. Aktuelle Studien der Universität Rostock zeigen aber, dass ein Großteil der Hechte aus dem Kubitzer Bodden und anderen Bodden um Rügen im Brackwasser gelaicht haben (Möller et al. 2020). Entsprechend haben sich die Hechte um Rügen mit der Zeit an das Laichen unter Brackwasserbedingungen angepasst.
  • Seit der Wiedervereinigung zeigen die wesentlichen Umweltfaktoren (vgl. Abb. 9 und 10) keine gerichteten Veränderungen in Bereiche, die zum Problem für die Boddenhechte werden könnten. Beispielsweise gibt es keine Belege, dass es gerichtete Trends zu salzreicheren Bedingungen gibt (Abb. 9). Auch die Nährstofflast hat in vielen Bodden abgenommen. Und selbst wenn die Trübung nicht in allen Bodden abgenommen hat (Abb. 11), gibt es in den letzten 5- 10 Jahren keine Hinweise auf sich massiv verändernde Wasserpflanzenbestände. Zwar sind im Greifswalder Bodden aktuell deutlich weniger Wasserpflanzen nachweisbar als noch in den 1940er Jahren, aber die aktuellen Deckungsgrade sind vergleichbar mit den Bedingungen Ende der 1980er Jahre. Auch die Melioration in den 1970er Jahren der DDR, die zum Verlust ehemals wichtiger Hechtlaichwiesen geführt hat, ist so lange her, dass diese aktuell abnehmende Hechtbestände nicht verursacht haben kann. Es gibt also keine Hinweise, dass die Umweltfaktoren sich in den letzten 10 – 20 Jahren in einer dramatischen Weise negativ für den Hecht entwickelt hätten.
  • Aktuell lässt sich der Wissenstand zu den Umwelteinflüssen auf den Boddenhecht folgendermaßen zusammenfassen:
    • Der Boddenhechtbestand ist scharf befischt, vielleicht nicht optimal bewirtschaftet, aktuell abnehmend, größenüberfischt, aber mit Sicherheit nicht kollabiert.
    • Der Haupteinflussfaktor auf den adulten Hechtbestand ist aktuell der Fischereidruck sowohl von Fischern als auch vor allem von Anglern.  
    • Es ist möglich, dass Stichlinge (Fraß von Hechtbrut), Kormorane und Robben direkt über Fraßdruck oder indirekt über Verletzung und Vermeidungsreaktionen (vor allem bei Robben) auf die Häufigkeit und die Standorte von Hechten Einfluss nehmen. Die Datenlage zu diesem Thema ist aber ungenügend und Aussagen daher spekulativ. Studien von Winkler et al. (2014) zum Kormoranfraß an der Küste M-V belegen, dass Kormorane ganz überwiegend andere Fische als Hechte fressen. Eine einzelne Bachelorarbeit zur Ernährung von Robben der Universität Greifswald zeigt zudem, dass kein einziger Hecht gefressen wurde, aber der Stichprobenumfang ist gering.
    • Historisch gesehen hat die Abtrennung von Hechtlaichwiesen durch die Melioration der DDR mit Sicherheit Laichplätze vernichtet. Diese Einschränkung hat aber nicht zum Einbruch des Hechtbestands in den 1980er Jahren geführt und vielleicht lediglich die Anpassung an das Brackwasserlaichen verstärkt.
    • Aktuell gibt es keine Hinweise für rückgehende Krautbestände, die sich negativ auf die Hechtbestände auswirken, aber gerade im Greifswalder Bodden war der Pflanzenbedeckungsgrad in den 1940er Jahren mit 90 % deutlich größer als Heute (6 %) (Kainstinger et al. 2018). Jede Steigerung des Krautaufkommens wird sich positiv auf den Hecht auswirken.
    • Weitere potenzielle Auswirkungen auf den Boddenhecht sind Verschmutzung und damit verbunden Krankheiten und abnehmende Heringsbestände als Futterfische. Die Höhe des Einflusses kann nicht genau beziffert werden. Erneut sticht der Greifswalder Bodden heraus, der historisch einer der wichtigsten Heringslaichplätze war und aktuell nach Aussagen des Thünen Instituts für Ostseefischerei eine reduzierte Heringsmenge bietet.
    • Geringe Einflüsse auf den Hechtbestand in den Bodden haben die aktuellen Entwicklungen bei Salinität und Temperatur. Die mittleren Salinitätswerte sind im Monatsmittel relativ stabil und obwohl der Klimawandel zu einer nachweisbaren Erwärmung der Bodden geführt hat, ist der Grad der Erwärmung derzeit wohl nicht bestandsgefährdend. Diese Aussagen sind aber nicht durch quantitativen Analysen untermauert und daher unsicher.

Hechtbewirtschaftung

  • Hechte können über drei Wege bewirtschaftet werden. Besatz, Lebensraummangement und Regulierung der Befischungsintensität.
  • Auf der Grundlage vieljähriger Studien in Binnenseen (Arlinghaus et al. 2015) und an Dänemarks Küste (Larsen et al. 2005) kann Besatz als sinnvolle Bewirtschaftungsweise beim Boddenhecht ausgeschlossen werden. Wann immer sich Hecht natürlich reproduziert, wie am Bodden der Fall, ist Besatz wirkungslos.
  • Aufwertungen der Lebensräume (wie z.B. Anlegen von Hechtlaichwiesen) sind immer günstig und werden aktuell in Schweden erprobt.  Es ist aber derzeit unklar, ob die schwedischen Hechtlaichwiesenprojekte positive Effekte auf die Gesamtpopulation gehabt haben.  
  • Die Regulation des Fischereidrucks kann über ein ganzes Bündel an Maßnahmen erreicht werden. Einige dieser Maßnahmen wie Schonzeiten, Schongebiete, Mindestmaße oder Tagesfangbeschränkungen sowie Regularien der Befischungsformen (z. B. Verbot Schleppnetzfischerei) gibt es beim Hecht an den Bodden bereits. In Bezug auf die Vergleiche von Mindestmaßen mit Entnahmefenstern zeigt eine aktuelle Projektstudie, dass Entnahmefenster beim Boddenhecht günstigere Kompromisse erreichen als Mindestmaße (Ahrens et al. 2020). Entnahmefenster wurden auch in Schweden eingeführt, ob sie Effekte haben ist aktuell nicht zu bewerten. Selbstverständlich sind auch die anderen genannten Schonmaßnahmen empfehlenswerte Vorgehen.
  • Konkrete Bewirtschaftungsempfehlungen für den Boddenhecht erarbeitet eine aus allen Interessengruppen zusammengesetzte Arbeitsgruppe, die im letzten Jahr ihre Arbeit aufgenommen hat (Abb. 13). Die Wissenschaftler des BODDENHECHT Projekts sind in dieser Arbeitsgruppe lediglich beratend aktiv, da die Ableitung von Bewirtschaftungsempfehlungen ein politischer Prozess ist, in dem verschiedene Interessen und Bedürfnisse abzuwägen sind. Letzteres ist keine wissenschaftliche Aufgabe. Wegen der COVID-19-Pandemie ruht die Arbeit der Arbeitsgruppe aktuell und wird zum schnellstmöglichen Zeitpunkt wieder aufgenommen.

 

 


Robert Arlinghaus, Dominique Niessner, Henry H. Hansen, Rob van Gemert und Dieter Kömle.