Bringt totes Holz Leben in den Baggersee?

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Die Wasserqualität in Deutschland ist sehr gut. Das Trinkwasser gilt laut Umweltbundesamt als exzellent und rund 98 Prozent unserer Badegewässer erfüllen die Qualitätsanforderungen der EG-Badegewässerrichtlinie. Gleichzeitig sind Deutschlands Flüsse und große Seen überwiegend in einem ungenügenden ökologischen Zustand. Nur 7% aller Fließgewässer und 26% aller Seen über 50 Hektar erfüllen das Kriterium "guter ökologischer Zustand" nach der EU-Wasserrahmenrichtlinie. Der für uns Menschen gute Gewässerzustand (Trinkwasser, Badewasser) ist also nicht zwangsläufig auch gut für Fische, Amphibien und andere Arten.

Der scheinbare Widerspruch liegt jedoch nicht in der Wasserqualität, sondern wassergebundene Lebewesen stellen spezifische Anforderungen an einen optimalen Lebensraum. Viele Arten benötigen Vielfalt und Struktur! Unterwasserpflanzen und Totholz sind wichtige Elemente und tragen dazu bei, dass wirbellose Tiere wie Libellenlarven und Krebse, Jungfische und Arten wie Vögel Schutz und Nahrung finden. Badegäste, Angler oder Segler werden dagegen von übermäßigen Pflanzen- und Holzbeständen in Ufernähe eingeschränkt. Die Herausforderung ist nun, für alle Beteiligten die optimale Lösung zu finden. Das Großprojekt BAGGERSEE hat zum Ziel, Schutz und Nutzung von künstlich geschaffenen und von Anglern bewirtschafteten Seen zu vereinbaren.


Veröffentlicht: 2019
Erschienen in: Der Laubfrosch, VTA, Ausgabe 83 September 2019, Seite 12 -13