Die angelfischereiliche Hege aus Sicht von Bevölkerung, Bewirtschaftern und Anglern am Beispiel Niedersachsens: Schlussfolgerungen für die fischereiliche und naturschutzfachliche Bewirtschaftung von Binnengewässern

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Süßwasserökosysteme haben eine hohe ökologische, ökonomische und kulturelle Bedeutung. Ihre nachhaltige Bewirtschaftung wird in Deutschland vor allem von Angelvereinen übernom-men. Angler können dabei positiv oder negativ auf die Ökosysteme einwirken. So stehen bei-spielsweise Lebensraumverbesserungen den negativen Auswirkungen von Besatzmaßnah-men gegenüber. Um die positiven Potenziale des fischereilichen Managements für den Natur-schutz zu steigern, werden die Unterstützung der Gesellschaft, die langfristig Einfluss auf An-gelregularien nimmt und klare Leitlinien guter fachlicher Praxis für die Gewässerbewirtschaf-tung benötigt. Diese Bewirtschaftungspraxis wird vor allem durch Normen und Einstellungen der einzelnen Angler getrieben, die ihrerseits Einfluss auf die Bewirtschafter (Entscheidungs-träger in den Vereinen) nehmen. Ziel dieser Arbeit war es, die aktuelle Sicht der niedersächsi-schen Bevölkerung auf anglerische Hegemaßnahmen im Zeitverlauf zu untersuchen sowie die Sicht auf Hege zwischen Bevölkerung, Gewässerbewirtschaftern und Vereinsanglern gegen-überzustellen. Es wurde angenommen, dass die Gesellschaft anglerische Hege positiv bewer-tet, wenn sie primär naturschutzorientiert erfolgt. Angler hingegen sollten eine nutzungsorien-tierte Hege anstreben und Besatz stärker befürworten als die Bewirtschafter. Zur Analyse wur-den drei Bevölkerungsumfragen (Studienjahre 2002, 2008, 2018) und drei Anglerumfragen (Studienjahre 2010, 2012, 2017/2018) verwendet, in denen Werte, Einstellungen, Normen und Verhaltensintentionen zur anglerischen Hege abgefragt wurden. Mittels Faktoren- und Relia-bilitätsanalysen wurden umfrageübergreifende Konstrukte zusammengefasst und zwischen den Gruppen verglichen. Anhand von fünf leitenden Forschungsfragen und Hypothesen konnte gezeigt werden, dass die anglerische Hege von der Bevölkerung grundsätzlich positiv gesehen wird, vor allem wenn sie naturschutzorientiert erfolgt. Allerdings ist sich die Mehrheit der Bevölkerung der Hegeleistungen durch Angler nicht bewusst und bewertet das Angeln als zunehmend weniger sinnvolle Freizeitbeschäftigung. Im Vergleich zu den einzelnen Anglern, die stärker nutzungsorientierte Bewirtschaftungsziele mit dem Fokus auf Fische haben, priori-siert die Bevölkerung den Gewässerschutz sowie den Schutz von Vögeln und Säugetieren. Angler bevorzugen Besatz stärker als Gewässerbewirtschafter, was sich in einem Zielkonflikt innerhalb der Angelvereine äußern und zu einem Rückgriff auf Besatz statt auf alternative Hegemaßnahmen wie Lebensraummanagement führen kann. Ein erhöhter Angeldruck an den lokalen Vereinsgewässern hat keinen Einfluss auf Bewirtschaftungsmaßnahmen. Dem Ziel-konflikt zwischen Anglern und Bevölkerung kann durch Berücksichtigung aller gewässerge-bundenen Organismen in den Bewirtschaftungszielen entgegengewirkt werden. Eine umwelt-orientierte Ausbildung, in der die gute fachliche Praxis der Binnenfischerei gelehrt wird, könnte über Gewässerwarte hinaus auch für die anderen Vereinsmitglieder angeboten werden, um vereinsinterne und gesellschaftsübergreifende Hegekonflikte zu minimieren.

Wegener, N. (2020). Die angelfischereiliche Hege aus Sicht von Bevölkerung, Bewirtschaftern und Anglern am Beispiel Niedersachsens: Schlussfolgerungen für die fischereiliche und naturschutzfachliche Bewirtschaftung von Binnengewässern. Master Thesis, Leibniz Universität Hannover, Institut für Umweltplanung / Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB) in Berlin


Veröffentlicht: 2020
Erschienen in: Master Thesis, Leibniz Universität Hannover, Institut für Umweltplanung / Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB) in Berlin