Ermittlung der Aalentnahme durch die Angelfischerei in Binnen- und Küstengewässern Mecklenburg-Vorpommerns

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Zur Bestimmung der anglerischen Aalentnahme im Bereich des Bundeslandes Mecklenburg-Vorpommern (M-V) wurde in diesem Projekt ein komplexes Erhebungsdesign entwickelt. Zunächst wurde mittels deutschlandweiter, nach Zufallsprinzipien durchgeführten Telefonbefragungen die Grundgesamtheit aktiver Angler im Bundesland M-V bestimmt. Anschließend fand eine einjährige Angelbuchstudie stand, auf deren Basis sich mittlere Angelaufwandsdaten und durchschnittliche Aalfang- und entnahmeraten pro Angler und Jahr ableiten ließen. Der jährliche Aalertrag in der Angelfischerei betrug im Erhebungszeitraum rund 187 t. Die Aalerträge durch Angler mit Wohnsitz in M-V beliefen sich auf rund 102 t pro Jahr. Angler, die keinen Erstwohnsitz in M-V aufwiesen, trugen substantiell zur Gesamtentnahme an Aal (~85 t) bei. Rund 90% der anglerischen Aalerträge stammte aus Binnengewässern. In etwa 90% aller entnommenen Aale entfielen auf Gewässer der Einzugsgebiete Elbe und Warnow/Peene. Im Mittel entnahmen Angler aus M-V rund 670 g Aal pro Angler und Jahr. Weitere schriftlich durchgeführte Umfragen zeigten auf, dass Angler in M-V grundsätzlich bereit waren, restriktivere Aalschutzmaßnahmen zu akzeptieren. Generell waren alle befragten Aalanglersegmente bereit, zum Erhalt der Aalbestände moderat restriktivere Aalfangbestimmungen (z.B. Mindestmaß von 50 oder 55 cm; Fangbegrenzung von 2 oder 3 Aalen pro Tag) zu akzeptieren. Besonders hohe Akzeptanz erfuhren ausbalancierte Aalmanagementpläne, die neben der Regulierung des Aalangelns auch andere Sektoren (z.B. Berufsfischerei, Wasserkraft) und Mortalitätsfaktoren (z.B. Kormoranfraß) beim Aal berücksichtigten. Eine abschließende ökonomische Bewertung verschiedener Aalmanagementszenarien zeigte auf, dass die Implementierung höchst restriktiver Aalschutzmaßnahmen beim Aalangeln zu ökonomischen Verlusten in Millionenhöhe führen würde. Das vorliegende Teilprojekt zum Aalangeln in M-V dokumentiert die hohe Bedeutung der hobbymäßigen Angelfischerei auf Aal. Aalmanagementpläne müssen die Bedürfnisse von Aalanglern berücksichtigen, um erfolgreich zu sein. Eine Bilanzierung von Aalbeständen in stark beangelten Gewässern kann ohne Berücksichtung der anglerischen Mortalität als nicht seriös tituliert werden, weilAngler substantiell zur Aalsterblichkeit beitragen.

Dorow, M., Arlinghaus, R. (2008). Ermittlung der Aalentnahme durch die Angelfischerei in Binnen- und Küstengewässern Mecklenburg-Vorpommerns. Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei, Projektendbericht zum Teilprojekt 3, Berlin, 151 pp.


Veröffentlicht: 2008
Erschienen in: Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei, Projektendbericht zum Teilprojekt 3, Berlin, 151 pp.