Steigende Publikationskosten setzen Forschende unter Druck

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Ein aktueller Beitrag im Wissenschaftsmagazin The Scientist macht auf ein zunehmendes Problem im Wissenschaftssystem aufmerksam: die stark steigenden Kosten für das Publizieren wissenschaftlicher Arbeiten. Insbesondere Open-Access-Modelle sind häufig mit hohen Artikelbearbeitungsgebühren (Article Processing Charges, APCs) verbunden, die sich auf mehrere tausend Euro pro Veröffentlichung belaufen können.

Zwar verfolgt Open Access das wichtige Ziel, wissenschaftliche Erkenntnisse frei zugänglich zu machen, doch die finanziellen Lasten haben sich dabei zunehmend auf die Autorinnen und Autoren verlagert. Forschungsgelder, die eigentlich für Feldarbeit, Laboranalysen oder Personal vorgesehen sind, werden immer häufiger für Publikationskosten eingesetzt. Dies wirft Fragen der Chancengleichheit auf, insbesondere für Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler sowie für anwendungsorientierte oder interdisziplinäre Forschungsbereiche mit begrenzten Budgets.

Prof. Dr. Robert Arlinghaus, Leiter der IFishMan-Forschungsgruppe an der Humboldt-Universität zu Berlin und Editor mehrerer internationaler Fachzeitschriften, ordnet diese Entwicklung aus seiner wissenschaftlichen und editoriellen Perspektive ein. Er betont, dass steigende Publikationskosten weitreichende Auswirkungen haben, die über administrative Fragen hinausgehen. Artikelbearbeitungsgebühren konkurrieren zunehmend direkt mit zentralen Forschungsaktivitäten und zwingen Forschende dazu, Prioritäten zwischen Publizieren und neuer Forschung zu setzen. Besonders betroffen sind Early-Career-Researchers, für die Veröffentlichungen in renommierten Zeitschriften entscheidend für die weitere Karriere sind, während gleichzeitig nur begrenzte finanzielle Mittel zur Verfügung stehen.

Darüber hinaus weist Arlinghaus darauf hin, dass das derzeitige Publikationssystem unbeabsichtigt prestigebasierte Dynamiken verstärken kann. Wissenschaftliche Karrieren könnten zunehmend davon abhängen, ob Publikationsgebühren finanziert werden können, anstatt von der Qualität, Reproduzierbarkeit oder gesellschaftlichen Relevanz der Forschung. Aus editorieller Sicht wirft dies grundlegende Fragen zur langfristigen Ausrichtung des wissenschaftlichen Publikationssystems auf.

Der Beitrag in The Scientist ist Teil einer breiteren Debatte darüber, wie offene Zugänglichkeit, wissenschaftliche Qualität und finanzielle Nachhaltigkeit im Publikationswesen besser miteinander in Einklang gebracht werden können.

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