DuBois-1994-Esox lucius

ifishman ID: 2376

DuBois, R.B., Margenau, T.L., Stewart, R.S., Cunningham, P.K., Rasmussen, P.W. (1994). Hooking mortality of northern pike angled through ice. North American Journal of Fisheries Management 14: 769-775.

Einordnung / Kategorisierung

Auswirkungen:
Sterblichkeit, Nicht tödlich (z.B. Stress)
Haupteinflussfaktor:
Angelgerät

Waidgerecht-Empfehlung

Tiefhaken beim Angeln mit Naturködern vermeiden.

1. Zusammenfassung

Der Effekt unterschiedlicher Hakentypen (Drillinge und sogenannte Schwedenhaken) auf die Haksterblichkeit über 48 Stunden, Hakposition, Handlingsdauer und Blutung wurde beim Naturköderangeln beim Hecht untersucht. Durchgeführt wurde ein Eisangel-Experiment in drei Seen in Wisconsin, USA, bei sehr kalten Wassertemperaturen (1-4°C). Geangelt wurde mit Naturködern (Köderfisch), die Zeit von Anbiss bis Landung betrug im Mittel 89 Sekunden. Die gelandeten Hechte (N = 185) wurden im Anschluss für 48 Stunden in Netzkäfigen (zwei je See) gehältert, um die Kurzzeitsterblichkeit zu bestimmen. Es wurden keine ungeangelten Kontrollfische zur Bestimmung des Hälterungseffekts auf die Sterblichkeit verwendet.  

Haksterblichkeitsrate über alle 185 gefangene Hechten von 4,9 %. Sterblichkeitsrate von mit einfachen Drillingen geangelten Hechten unter 1 %. Das bedeutet, dass beim Naturköderangeln unter bestimmten Bedingungen eine Haksterblichkeit von nahe 0 % möglich ist. Deutlicher Hakentyp-Effekt: Nur ein einzelner Hecht von 161 auf Drillingshaken gefangenen Hechten verstarb innerhalb von 48 Stunden (Sterblichkeitsrate 0,6 %). Acht von 24 mit Schwedenhaken gefangenen Hechte starben (Sterblichkeitsrate 33,3 %). Die Haksterblichkeit stieg statistisch gesehen dann, wenn ein Hecht auf Schwedenhaken gefangen wurde und allgemein bei tief gehakten Hechten. Die Wahrscheinlichkeit des Tiefhakens war bei Schwedenhaken höher als bei einfachen Drillingen. Blutungen traten vermehrt bei Hechten auf, die auf Schwedenhaken (67 % blutend) gefangen wurden im Vergleich zu Hechten, die auf einfache Drillingshaken (24 % blutend) gefangen wurden. Alle Fische, die starben, zeigten Blutungen beim Fang. Blutungen an sich verstärkten die Sterbewahrscheinlichkeit. Allerdings überlebten auch 84 % aller Hechte, die beim Fang geblutet hatten, so dass blutende Hechte nicht zwangsläufig sterben.

2. Studiengüte

Mittel für Sterblichkeitsrate
Hoch für Einflussfaktoren auf die Sterblichkeit

Begründung
Positiv: Praxisübliches Angeln, mehrere Seen, mehrere Netzgehege. Deutliche Effekte des Tiefhakens auf die Sterbewahrscheinlichkeit.

Negativ: Keine Kontrollfische in den Netzgeheben, so dass der Effekt des Hälterns auf die Sterblichkeit unklar bleibt. Fehlende ungeangelte Kontrollen in Hältereinrichtungen überschätzen tendenziell die Haksterblichkeit, die auf das Angeln und Zurücksetzen zurückgeführt werden kann. Die Hälterung zur Beobachtung schließt auch aus, dass die geangelten und zurückgesetzten Hechte anderen Prädatoren ausgesetzt sind, die unter natürlichen Umständen (unmittelbares Zurücksetzen ins Angelgewässer) die Sterblichkeit mitbeeinflussen und tendenziell erhöhen könnten. Die berichtete Sterblichkeitsrate umfasst nur die Kurzzeitsterblichkeit über zwei Tage. Es ist denkbar, dass weitere stärker verletzte Hechte verzögert sterben. Insgesamt könnte die Haksterblichkeit, die insgesamt vom Hechtangeln ausgeht, in der Studie sowohl unterschätzt (unnatürliche Zurücksetzbedingungen) als auch überschätzt (fehlende Kontrollen) worden sein. 

Verallgemeinerbarkeit der Ergebnisse

Mittel
Verallgemeinerbarkeit auf Angelsituationen auf Hecht bei wärmen Wasser über 4 °C und speziell auf Sommerbedingungen ist nicht möglich, da die Studie nur bei sehr kaltem Wasser von 1 bis 4 °C durchgeführt wurde. Hechte sind nach Studienlage bei kalten Gewässerbedingungen besonders stresstolerant. Die Zurücksterblichkeit über einen längeren Zeitraum wurde nicht untersucht, so dass die Studie keine Aussagen über die längerfristige Haksterblichkeit über zwei Tage hinaus zulässt. Eine unverzerrte absolute Sterblichkeit lässt sich aus der Studie aufgrund der Tatsache, dass nicht geangelte Kontrollfische im Studiendesign fehlen, nicht ableiten.

3. Waidgerecht-Empfehlung

Beim Angeln mit Naturködern bzw. Köderfischen auf Hecht ist es zu empfehlen, durch angemessene Gerätewahl und raschen Anhieb das Tiefhaken zu vermeiden, da dies die Zurücksetzsterblichkeit deutlich erhöht. 

Belastbarkeit der Empfehlung

Mittel
Belastbar für kalte Wasserbedingungen, da die Studie typisches Angelverhalten einsetzte, der Stichprobenumfang hoch war und die Effekte des Tiefhakens in der Studie deutlich ausgeprägt waren. Bei warmen Temperaturen über 24 °C ist eine erhöhte Sterblichkeit nach dem Zurücksetzen bei Hechten denkbar, auch bei flach gehakten Fischen.

zurück