The phenotypic correlates of individual vulnerability to angling

Doktor

Die Fischerei ist Teil der menschlichen Kultur und selektiv gegenüber bestimmten Merkmalen der Fische, wodurch eine menschlich-induzierte Evolution hervorgerufen werden kann. Das Potential evolutionärer Veränderungen von lebensgeschichtlichen Merkmalen durch kommerzielle Fischerei fand in den vergangenen Jahren große Beachtung, wohingegen das evolutionäre Potential selektiver anglerischer Fischentnahme kaum berücksichtigt wurde. Durch intensive Beschreibung individueller Merkmale wie Verhalten, Lebensgeschichte, Morphologie und Physiologie der Fische habe ich die phänotypischen Korrelate der individuellen Angelfangbarkeit entflechtet. Anhand benthivorer und piscivorer Modellarten konnte ich so die Stärke und die Richtung anglerischer Selektion bestimmen. Zudem habe ich die Überlebenswahrscheinlichkeit und den Reproduktionserfolg dieser Fische gemessen, um das evolutionäre Potential anglerischer Fischereisterblichkeit abschätzen zu können. Ich konnte zeigen, dass die Risikofreude im Zusammenhang mit der Nahrungsaufnahme bei benthivoren Fischen dem stärksten Selektionsdruck ausgesetzt ist, während bei piscivoren Arten Aggression die bestimmende Eigenschaft war. Zudem waren Risikofreude und Wachstum positiv korreliert. Die intrinsische Fraßaktivität- und Geschwindigkeit erklärte, warum risikofreudige Fische selbst in Gruppen die höchste Hakwahrscheinlichkeit aufwiesen. Diese besonders leicht fangbaren Individuen wurden zudem mit höherer Wahrscheinlichkeit von Räubern in Teichen und in einem 25 ha großen Natursee gefressen, sodass anglerisch induzierte und natürliche Selektion bei juvenilen Fischen in die gleiche Richtung wiesen. Bei adulten, nestbewachenden Fischen konnte ich zudem zeigen, dass Eigenschaften, die zu einer erhöhten Fangbarkeit führen, auch den Laicherfolg steigern, sodass anglerische Selektion negative Auswirkungen auf den Reproduktionserfolg haben kann. Diese Resultate können mit hoher Wahrscheinlichkeit auf viele Arten übertragen werden. Folglich muss in stark beangelten Fischbeständen von einem anglerisch induzierten Schüchternheitssyndrom ausgegangen werden, wodurch die Anzahl großer, risikofreudiger und aggressiver Fische sowie die Fangraten und die Zufriedenheit der Angler sinken und die Bewirtschaftung erschwert wird, da die Fangraten von der Fischbestandsdichte entkoppelt werden. Meine Ergebnisse deuten auf eine hohe Schutzwürdigkeit individueller Verhaltensdiversität hin, welche am leichtesten durch den Schutz besonders großer, schnellwüchsiger und risikofreudiger Fische erreicht werden kann.

Klefoth, T. (2017). The phenotypic correlates of individual vulnerability to angling. Dissertation, Humboldt-Universität zu Berlin


Veröffentlicht: 2017
Erschienen in: Dissertation, Humboldt-Universität zu Berlin